Sonntag, Dezember 10, 2006

Long Way back from Hell

Made of Steel – Hart wie Stahl (Beyond the Law)
USA 1992
Regie: Larry Ferguson, Drehbuch: Larry Ferguson, Kamera: Robert M. Stevens, John D’Andrea, Cory Lerios, Schnitt: Don Brochu, Robert C. Jones
Darsteller: Charlie Sheen (Daniel Saxon/Sid), Linda Fiorentino (Renee Jason), Michael Madsen (Blood), Courtney B. Vance (Conroy Price), Leon Rippy (Virgil), Rip Torn (Deputy Prescott)

Synopsis: Der junge Polizist Dan Saxon wird von persönlichen Dämonen geplagt: Immer wieder suchen ihn Albträume heim, in denen er als Kind von einem Streifenpolizisten gequält wird. Die zunehmende psychische Belastung wird zu groß und so verliert er erst die Beherrschung und dann seinen Job. Doch sofort steht das FBI in Person des Agenten Price auf der Matte und möchte ihn als verdeckten Ermittler in die Rockergang von Blood, die „Schakale“, einschleusen. Saxon willigt ein und findet bald schon mehr Gefallen an seiner neuer Identität als den Beteiligten lieb ist ...


DER AUSSENSEITER: MADE OF STEEL – HART WIE STAHL gehört allgemein hin wohl zu den bekanntesten Vertretern des modernen Bikerfilms und nicht zuletzt auch zu den wenigen anspruchsvollen. Es mag erstmal verwundern, dass Larry Ferguson sich ausgerechnet dieses etwas anrüchige Sujet für sein Regiedebüt ausgesucht hat, aber wenn man einen genauen Blick auf den Film wirft, erkennt man die enorme Ambitioniertheit, mit der Ferguson sein Projekt verfolgt hat.

FUNKHUNDD: MADE OF STEEL – HART WIE STAHL ist dann auch kein reiner Actionfilm, sondern ein Amalgam aus Actionfilm, Thriller und Psychogramm. Interessant wird er für uns darüber hinaus, weil er eine nahezu identische Story wie der zuletzt besprochene und mit einem verblüffend ähnlich klingenden Titel versehene STONE COLD – KALT WIE STEIN erzählt. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass beide Filme auf den Erlebnissen des echten Undercover-Cops Daniel Black basieren. Dennoch ist MADE OF STEEL – HART WIE STAHL ein völlig anderer Film geworden: Wo Craig R. Baxley die vordergründige Action interessierte, da schaut Ferguson auf das Innenleben seiner Hauptfigur. Leider ersetzt er den geleckten Stil des Vorgängers auch durch einer eher unspektakuläre, bestenfalls routinierte und an das Fernsehen gemahnende Inszenierung. Dieses Ungleichgewicht zwischen Form und Inhalt verwundert angesichts des Hintergrunds Fergusons aber kaum.

A: Ferguson ist ein versierter Drehbuchautor, der auch bei einigen Mainstream-Hits wie HIGHLANDER – ES KANN NUR EINEN GEBEN, BEVERLY HILLS COP II, PRESIDIO oder JAGD AUF ROTER OKTOBER beteiligt war. So hatte er sich Anfang der 1990er einen guten Ruf erworben und wollte nun Drehbuch- und Regieleistung unter einen Hut bringen. Ferguson nutzt hier die dem Genrefreund bekannte Blaupause der Biker- und Undercoverfilme, um einen Film mit eigener Note zu schaffen. Hierfür bedient er sich eines im Genre eher ungewöhnlichen Konzeptes: Realismus. Realismus und Authentizität kann man im Actiongenre schon dann erreichen, wenn man die psychologischen Hintergründe einer Figur etwas genauer beleuchtet oder besser noch die ganzen Plotkonstruktionen, die man sonst als gegeben akzeptiert, ohne sie weiter zu hinterfragen, in ihrem Aufbau schildert. Anders als beim thematisch verwandten STONE COLD – KALT WIE STEIN muss die Figur des Dan Saxon erst einen Wandlungsprozess durchmachen und sich Schritt für Schritt an die zu infiltrierende Gruppe heranwagen. Auch steht zu Beginn nicht fest, wen genau er infiltrieren soll, da er mit unzureichenden Informationen in den Kampf geschickt wird.

FH: Auch die Kontaktaufnahme mit den Bikern erfolgt in MADE OF STEEL – HART WIE STAHL erst, nachdem Saxon wochenlang erfolglos als Dealer versucht hat, ihr Vertrauen zu gewinnen. Und als er endlich Virgil kennen lernt, muss Saxon noch eine Art Crashkurs „Wie werde ich Rocker“ bei ihm absolvieren. In STONE COLD – KALT WIE STEIN latscht Joe Huff/John Stone einfach in die Stammkneipe der Bruderschaft rein und fängt sofort einen Streit mit der rechten Hand vom Chef an. Der Unterschied könnte deutlicher kaum sein: Während Saxon erst zum Rocker werden muss, ist Stone/Huff schon von Beginn an eine coole Sau, sozusagen ein Rocker im Geiste. Und weil er härter als ein erigierter Pimmel ist, droht die Gefahr für ihn auch immer nur von außen, während Saxon vor allem in einen inneren Konflikt gerät, der ihn zu zerreißen droht. Die äußerliche Action von STONE COLD – KALT WIE STEIN wird hier konsequent nach innen gewendet.

A: Der Beginn des Filmes ist bereits entsprechend unheilvoll und bündelt die im Film permanent vorhandene Metaphorik. Wir sehen einen einsamen Motorradfahrer, noch verschwommen durch die Lichtspiegelungen, die sich durch seine Entfernung zur Kamera und dem Wüstenhighway bei gleißendem Sonnenlicht ergeben, und dann offenbart er sich als Polizist. Er nähert sich seinem Ziel, steigt ab und öffnet eine blutrote Tür, die sowohl Symbol für die Tür zu unserem Unbewussten – dem der Hauptfigur wie sich später herausstellt – sowie der Hölle an sich ist. Das Vergil-Zitat aus „Dantes Inferno“ legt dies zusätzlich nahe. Nach seinem Abstieg begegnet er einem kleinen Jungen, der mit Handschellen an einen Stuhl gefesselt ist und holt verächtlich zum Schlag aus. All dies ist ein wiederkehrender Traum, dem Dan Saxon ausgesetzt ist und der parallel sein Trauma widerspiegelt. Saxon wurde als Junge von seinem Onkel, der ihn aufzog und eben Motorradpolizist war, aufgrund seiner indianischen Abstammung misshandelt. Dass Saxon nun seinerseits Polizist geworden ist, stellt die menschliche Ambivalenz in den Raum, die in einer Art Konflitkatharsis versucht, sich seiner Albträume zu entledigen, indem er zu genau dem wird, auf das er eigentlich seinen Hass projiziert: ein Polizist. Und als Polizist ist Saxon in mehrfacher Hinsicht auf verlorenem Posten. Zum einen aufgrund seiner Probleme im Inneren, zum weiteren aufgrund seiner unangepassten Art – die natürlich eine Folge seines inneren Konfliktes ist – sowie seiner indianischen Abstammung.

FH: Somit ist Saxon von Beginn an als Outcast, als Einzelgänger gekennzeichnet, der verzweifelt versucht, Anschluss zu finden: Er begibt sich mit der Entscheidung, Polizist zu werden, auf feindliches Territorium; er nennt sich „Saxon“ – wir erfahren einmal, dass das nicht sein echter Name ist –, um seine indianischen Wurzeln nicht nur zu verschleiern, sondern auch buchstäblich zum white anglosaxon zu werden. Und schlussendlich erliegt er dem Reiz des Rockerdaseins, das seinem antiautoritären Zug entspricht. Die Zerbrechlichkeit seiner neuen Identität spiegelt sich in seiner Rockerkutte und seinem Clubaufnäher wider: Virgil erfindet einen Club für „Sid“ (wie sich Saxon nach einem offiziellen Schreiben des FBI nennt, so als ob er sich mit dieser Namensgebung daran erinnern wolle, wer er wirklich ist), die „Cleveland Pythons“: Sid ist ohne Lobby, er ist Mitglied eines Clubs, der nur aus ihm besteht. Und da es diesen Club nicht gibt, rechnet der Zuschauer den ganzen Film über mit der Enttarnung, die aber nie erfolgen wird. Das verwundert doppelt, ist Sid doch mit seinem Wappentier, der Schlange, auch ganz offen als Verräter markiert. Und diese ständige Hin- und Hergerissenheit zwischen Einzelgängertum und dem Bedürfnis nach Anschluss spiegelt sich auch in einem indianischen Mythos wider, der den Film als Leitmotiv begleitet.

A: Richtig, nach der Einführung der Figur Saxons als innerlich zerrissener Mann, geht es sogleich darum, einen Indianer von einer Baustelle zu entfernen, auf der er sich mit einem Gewehr austobt, um gegen die Okkupation des Wüstenlandes durch den weißen Mann zu protestieren. Der alte Indianer entpuppt sich als Schlitzohr und erzählt Saxon die Parabel um den verlorenen Schatten, welche sowohl die Figur als auch den Zuschauer durch den Rest des Filmes begleiten wird. Saxon hat einen Teil seiner selbst verloren, einen dunklen negierten Teil, den er nicht in seinem Leben haben möchte, doch er muss sich seinem Trauma stellen und kann nicht vor ihm davonlaufen. Letzteres geschieht, da er beginnt sich in der Gemeinschaft der Rockerbande immer besser zurechtzufinden, besser gar noch als jemals in der Welt der „Normalbürger“. Hier lernt er, was Kameradschaft, Brüderlichkeit und Ehre bedeuten. Als er in eine brenzlige Situation mit ein paar Hillbillies gerät, ist der Anführer der „Schakale“, Blood, für ihn da, was mehr an Hilfsbereitschaft ist, als er in der Welt der Polizisten erfahren hat.

FH: Noch viel konsequenter als in STONE COLD – KALT WIE STEIN wird das Leben in der Rockergemeinschaft als Utopie gezeichnet – vor allem eben als Utopie für Saxon. Nachdem der Versuch, sich als Polizist unter das Volk zu mischen, gescheitert ist, erhält ein Leben mit völlig neuer Identität und ohne Vergangenheit eine besondere Attraktivität für den jungen Ex-Cop.

A: Die Gemeinschaft der Rocker wird als eine mögliche Alternative in den Raum gestellt, Zweifel an ihrer Fehlerhaftigkeit werden jedoch kaum gelassen. Das merkt man ja schon am Umgang mit den Frauen, die in ihrer Funktion als Motorradschlampen nur zur Zierde dienen. Ferguson differenziert hier säuberlich und arbeitet nicht mit einfachen Gut/Schlecht-Dichotomisierungen. Saxon erscheint wie geschaffen für den karrieregeilen Polizisten Price, da er das Andere, den Abgrund sucht. Price hat ihn entdeckt, spielt immer wieder gerne auf sein Trauma an, welches ausgelöst wurde, als der kleine Dan sich schließlich von der Peinigung durch seinen Onkels erlöst und diesen mit sechs Schüssen ins Herz aus dessen Dienstrevolver richtet. Er macht es sich wissentlich zunutze, dass Saxon „ein Problem mit Polizisten hat“. Dieser ist der ideale Undercover-Cop, da er eigentlich nicht wirklich ein Cop war und der Reiz des Anderen groß ist. Sid wandelt wie Dante im Jenseitigen und dass sein Führer, der ihn konsequent und mit viel ausgeflipptem Verstand in die Rockerszene einführt, auch noch Virgil heißt – das angelsächsische Äquivalent zu Vergil – treibt die Anspielungen auf die Wanderung durch den Höllenkreis auf die Spitze.

FH: Ferguson legt das Universelle des singulären Actionhelden und seiner Erzählung offen, indem er seine Geschichte um den tapferen Einzelkämpfer und den Mythos der Höllenreise parallelisiert. Die Schattenparabel dient also nicht nur zum Aufbau von Suspense – wird es sich so ereignen wie in der Erzählung des Indianers? –, sondern formuliert die mythische Qualität typischer Actionhelden und -filme aus. Schon in der Überführung von „Dantes Inferno“ in den Bereich indianischer Mythen zeigt sich ja das Immergleiche der Erzählungen.


A: Als Sid schließlich im Gefängnis landet, nachdem er fast Amok gelaufen ist und seine Identität endgültig verloren zu haben scheint, trifft er dort wieder auf den alten Indianer, der ihm einst die Geschichte vom „Schattenmann“ erzählte. Doch von dem Alten kann Dan/Sid keine Hilfe bekommen, da er letztlich nur gerade so weit in den Mythen der Ureinwohner verankert ist wie es ausreicht, durchreisende Touristen damit zu beeindrucken. Als Sid ihm an die Gurgel geht, ruft er den Heiland an und stammelt, die Legende vom verlorenem Schatten sei doch „bloß eine Geschichte“.

FH: Da wird dann ganz klar, dass MADE OF STEEL – HART WIE STAHL fast so was wie ein Meta-Actionfilm ist. So ist es kein großes Wunder, dass sich Fergusons Film auch als Wanderer zwischen den Welten bzw. Jahrzehnten präsentiert. Die explizite Zuschreibung mythischer Qualitäten darf als Element des postmodernen Kinos der Neunziger-Jahre bewertet werden, stilistisch gehört Fergusons Film aber ohne Zweifel in die Achtziger. Als Beleg dafür mag die unfassbar schlechte montage-Sequenz dienen, die Saxons Aufstieg innerhalb der Gang zusammenfasst. Der Soundtrack ist ebenfalls ziemlich unorthodox und vereint nebeneinander Achtziger-/Frühneunziger Haarspray-Hardrock und Chris Rea, der mit „Road to Hell“ den unverhohlen programmatischen „Titelsong“ singt. Der inszenatorische Tiefpunkt wird aber in der stereotypen Szene erreicht, in der die Arbeit Saxons von offizieller Stelle vor versammelter Polizistenmannschaft gelobt wird und erst nur einer klatschend aufsteht, dann aber mehr und mehr, bis alle tosenden Applaus spenden. Da windet man sich richtig vor dem Fernseher.

A: Diese Szene unterstreicht den Pathos der Figur und gibt ihr natürlich gleichermaßen das Gefühl wieder einen Halt in der gesellschaftlichen Welt zu haben. Er hat nun so lange als Sid unter den Verdammten gelebt und wird als Saxon nach seiner Rückkehr wieder in den „Kreis der Lebenden“ aufgenommen. Diese Bestätigung erfährt er besonders dadurch, dass der Initiator des Applauses eben jener Undercover-Polizist war, der von den Rockern entdeckt wurde und den Sid dann, zum einen, um seine Tarnung aufrecht zu erhalten, zum anderen als Katalysator für seinen Hass auf Polizisten, fast totschlägt. Er hätte jetzt tatsächlich die Chance unter den Polizisten zu leben, da er sich ihren Respekt verdient hat.

FH: Dennoch ist diese Szene für Dan nicht ausschließlich positiv konnotiert, denn In dem Applaus spiegelt sich ja auch eine extreme Oberflächlichkeit. Es geht schon lange nicht mehr nur um einen Job, dessen präzise Erledigung zu beklatschen wäre. In diesem Applaus steckt für mich gerade die letzte Manifestierung der Differenz: Die Polizisten beklatschen respektvoll eine gute Schauspielerleistung, doch Dan hat ja gar nicht gespielt. Ich glaube, an Dans bedröppeltem Blick erkennt man, dass die Anerkennung zu spät kommt und für ihn längst einen unangenehmen Beigeschmack hat. In diesem Moment erkennt, dass es kein Zurück gibt. Aber es gibt die Möglichkeit, neu anzufangen, es sind keine alten Rechnungen mehr offen.

A: Genau, von den Polizisten hätte er jetzt nichts mehr zu befürchten, aber Dan hat ihnen auch nichts mehr zu sagen. Er ist fertig mit ihnen. Kommen wir noch zu den restlichen Figuren. Michael Madsen in der Rolle des Rockerführers Blood mag nicht wie die Idealbesetzung erscheinen, verleiht seiner Rolle aber die nötige „Laissez-Faire“-Einstellung und lässt nur wenig Zweifel daran aufkommen, dass er die Zügel fest in der Hand hält. Seine kaltblütige Ermordung der vietnamesischen Angestellten symbolisiert die Gnadenlosigkeit und das mangelnde Mitgefühl gegenüber Schwächeren. Seiner Meinung nach wichtige Eigenschaften, wie er Sid anvertraut, der nach Meinung Bloods ein zu weiches Herz hat. Sid kann, nachdem er Zeuge dieser brutalen Tat geworden ist, seine Prioritäten wieder zurechtrücken und entscheidet sich für die Seite von Price und den Cops.

FH: Mich störte an Madsen neben seinem extrem unrockerhaften Aussehen – es war wahrscheinlich ein harter Kampf für Ferguson, Madsen davon zu überzeugen, wenigstens ein Stirnband umzubinden –, dass man ihm die beinahe-religiöse Bindung zur Straße, seinen Farben und seinem Motorrad nicht abnimmt. Blood kommt rüber wie ein Geschäftsmann. Wären nicht zufällig die Biker vorbeigekommen, hätte er sich genauso gut einer anderen Vereinigung anschließen können. Davon abgesehen macht er seine Sache aber recht ordentlich, wie man das von einem so versierten Schauspieler natürlich auch erwarten kann.

A: FBI-Mann Price ist eigentlich keine wirkliche Stütze für Dan. Ein tieferes Verhältnis kommt zwischen den Beiden nicht auf. Price ist zu sehr am Erfolg orientiert und nimmt dafür gern in Kauf, dass Dan ein wenig „überarbeitet ist“. Dass Dan sich kurz vor der Identitätsauflösung befindet wird von ihm zwar wahrgenommen, aber Dan muss die Aktion durchziehen, denn schließlich stehe man kurz vor dem Erfolg. Auch, dass Price in engem Kontakt mit Washington steht, kann von ihm gar nicht häufig genug betont werden. Er versucht mit der Verlockung von höchster Stelle gelobt zu werden Dan weiter anzutreiben, doch hat er dessen Motivation damit nicht wirklich durchschaut. Dan macht all dies, um zu sich selbst zu finden, um endlich zu begreifen wer er ist. Nachdem er Blood höchstpersönlich stellt, überlässt er ihn der Polizeibaggage und marschiert schnurstracks in die Wüste hinaus. Price schreit ihm hinterher, dass man ihn noch für Zeugenaussagen brauche, dass er nicht so einfach abhauen kann. Doch Dan interessiert dies nicht mehr. Stück für Stück entledigt er sich seiner Rockerkluft, jedes Kleidungsstück und zu Boden fallen lassen wird von der Kamera separat eingefangen. Dan kann sich und sein altes Leben hinter sich lassen.

FH: Price ist natürlich eine absolute Klischeefigur, die im Inventar eines solchen Films auf gar keinen Fall fehlen darf – schon in RED HEAT gab es ja den karrieregeilen Afroamerikaner. Ich frag mich da immer, ob dieser Figurentyp seine Entsprechung in den USA findet: Ob ein Schwarzer tatsächlich auch noch in gehobener Position so viel mehr „seinen Mann stehen“ muss als ein Weißer, dass jegliche Empathie von rationalen Erwägungen überlagert wird. Es steckt ja auch eine gutes Maß Angst hinter Price’ Ehrgeiz. Oder ist das nicht eher ein rassistisches Klischee, dass „der“ Afroamerikaner mit dem Erfolg gleich seine Menschlichkeit verliert – ein Charakterzug der natürlich immer noch auf die soziale Lage in den USA zurückzuführen wäre? Ich weiß es nicht.

A: Auf jeden Fall mal ein etwas anderer, vor allem reiferer Vertreter des Genres. Solche Filme können dem ohnehin kaum vorhandenen Renommee des Actionfilms nur helfen.

FH: Das sehe ich auch so, auch wenn dem Film hier und da etwas formale Größe gut zu Gesicht gestanden hätte. Wie weit Ferguson sich thematisch vom sonstigen Actionfilm abhebt, lässt sich auch an den Kürzungen ablesen, die der Film in Deutschland erfuhr: An der sparsam eingesetzten Gewalt hat sich zwar niemand gestört, aber die allzu expliziten Verweise auf die schizoiden Tendenzen des Protagonisten wollte man dem deutschen Zuschauer, der schließlich einen Actionfilm erwartete und bekommen sollte, lieber nicht zumuten. Die Empfehlung, sich den Film anzuschauen sei also deutlich ausgesprochen, denn Ferguson hat sowas wie Pionierarbeit geleistet. Man denke da nur an Harlins TÖDLICHE WEIHNACHTEN oder natürlich FIGHT CLUB, die einige Jahre später mit einer schizophrenen Hauptfigur groß auftrumpften ...

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